Mobilitätsdaten Naturparks

BESUCHERZÄHLUNG: KI EROBERT DEUTSCHLANDS NATURLANDSCHAFTEN

Wie anonymisierte Mobilitätsdaten neue Einblicke in die Nutzung von Deutschlands Nationalparken, Naturparken großflächigen Wildnisgebieten und Biosphärenreservaten ermöglichen

Deutschlands Naturlandschaften ziehen jedes Jahr Millionen Besucherinnen und Besucher an. Doch eine grundlegende Frage blieb bislang weitgehend unbeantwortet: Wo halten sich Menschen tatsächlich auf, wie bewegen sie sich durch die Landschaft und wann entstehen Nutzungsspitzen? Während Innenstädte oder Verkehrsräume heute detailliert analysiert werden können, blieben Wälder, Moore, Nationalparks und Biosphärenreservate in dieser Hinsicht weitgehend eine „Black Box“ – bis jetzt.

Das Projekt KI-Nationalpark startet durch

Nach erfolgreichen Pilotprojekten für HessenForst und die Niedersächsischen Landesforsten bringt infas 360 IGI seine Expertise nun in das im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz vom Bundesministerium für Umwelt (BMUKN) geförderten Projekts „KI-Nationalpark: Kl-gestütztes Klima-, Biodiversitäts- und Besucher-Monitoringsystem für Natürlichen Klimaschutz in deutschen Nationalparken“ ein. Gemeinsam mit dem Verein Nationale Naturlandschaften wird ein KI-gestütztes Monitoringsystem, das menschliche Nutzung, Biodiversität und Klimaeinflüsse in Schutzgebieten sichtbar macht, erprobt.

Das Projektziel ist ambitioniert

Im Rahmen des Projekts werden Besucherströme für rund 40 ausgewählte Schutzgebiete in ganz Deutschland analysiert. Ziel ist die Erstellung eines hochaufgelösten Datenlayers, der Besucherströme flächendeckend in einer Rastergröße von 100 x 100 Metern abbildet. Damit entsteht erstmals eine deutschlandweit vergleichbare Datengrundlage, die Naturschutz, Besucherlenkung und Infrastrukturplanung gleichermaßen unterstützt.

Was wird erfasst? Ein Blick auf die Kennzahlen

Die Auswertungen liefern detaillierte Informationen darüber, wann und wo Menschen Schutzgebiete nutzen.

Zeitliche Analysen:

Für das Jahr 2025 werden Besucherfrequenzen differenziert nach:

  • Monaten
  • Werktagen
  • Wochenenden
  • Feiertagen
  • Tageszeiten:
    • Frühmorgens: 5 bis 9 Uhr
    • Vormittags: 9 bis 12 Uhr
    • Mittags: 12 bis 14 Uhr
    • Nachmittags: 14 bis 18 Uhr
    • Abends: 18 bis 22 Uhr
    • Nachts: 22 bis 5 Uhr

Dadurch lassen sich saisonale Muster, Tagesverläufe und Nutzungsspitzen präzise identifizieren.

Verhaltensanalysen:

Über klassische Besuchererkennung hinaus werden erstmals weitere Kennzahlen ermittelt:

  • durchschnittliche Aufenthalts- bzw. Verweildauer im Schutzgebiet
  • Unterscheidung zwischen einmaligen Besuchenden und Mehrfach- bzw. Dauerbesuchenden
  • Analyse von Bewegungsgeschwindigkeiten
  • Ableitung wahrscheinlicher Nutzungsarten wie Wandern, Joggen oder Radfahren

Diese Analysen gehen weit über klassische Besuchererkennung hinaus. Sie zeigen nicht nur das Besucheraufkommen, sondern machen auch Aufenthaltsdauer, Wiederkehrraten und Nutzungsformen sichtbar. Dadurch entsteht ein deutlich umfassenderes Bild des tatsächlichen Besucherverhaltens.

Die Technologie dahinter: Smartphones als Datenquelle

Grundlage der Analysen sind anonymisierte, smartphonebasierte Positionsdaten aus dem Zeitraum vom 01.01.2025 bis zum 31.12.2025.

Die Daten stammen aus verschiedenen mobilen Anwendungen, insbesondere:

  • Navigations-Apps
  • Wetter-Apps
  • weiteren Anwendungen auf iOS- und Android-Geräten

Lieferant für diese Daten ist unser Partner Targomo.

Datenschutz hat Priorität

Die Verarbeitung erfolgt ausschließlich in anonymisierter Form und unter strikter Einhaltung der datenschutzrechtlichen Anforderungen. Personenbezogene Informationen werden weder verarbeitet noch weitergegeben.

Die Herausforderung der Vollständigkeit

Smartphonebasierte Daten liefern wertvolle Informationen über räumliche Bewegungsmuster. Allerdings werden damit nicht alle Personen gleichermaßen erfasst. Manche Menschen besitzen kein Smartphone, tragen es nicht bei sich oder nutzen die relevanten Apps nicht.

Um diese Verzerrungen zu reduzieren, kombiniert infas 360 IGI diese Daten mit eigenen mikrogeografischen Daten der IGI-Datenbank und setzt moderne Small-Area-Methoden ein.

Dabei fließen zusätzliche Informationen in die statistischen Modelle ein, darunter:

  • Bevölkerungs- und Haushaltsstrukturen
  • Altersstruktur
  • Bebauungs- und Siedlungsdichte
  • Verkehrs- und ÖPNV-Anbindung
  • Parkplätze
  • Sehenswürdigkeiten und weitere Points of Interest (POI)

Dadurch können Besucherfrequenzen auch auf kleinsten räumlichen Einheiten belastbar pro Raster geschätzt werden.

Raster Small Area-Methoden

Welchen Mehrwert bieten die Analysen?

Die Analysen lassen sich auf nahezu beliebige Natur-, Freizeit- und Tourismusräume übertragen und eröffnen neue Möglichkeiten, Besucherströme besser zu verstehen und gezielt zu steuern. Die gewonnenen Erkenntnisse schaffen eine neue Grundlage für fundierte Entscheidungen im Management von Naturlandschaften.

Naturschutz:

  • Identifikation von Belastungsschwerpunkten
  • Schutz sensibler Naturräume
  • Unterstützung bei der Bewertung von Nutzungskonflikten

Besucherlenkung:

  • Erkennen stark frequentierter Bereiche
  • Entwicklung gezielter Lenkungsmaßnahmen
  • Verbesserung des Besuchererlebnisses

Infrastrukturplanung:

  • Optimierung von Parkplätzen, Informationspunkten und Serviceeinrichtungen
  • Ggf. Bedarfsgerechter Ausbau von Infrastruktur

Monitoring und Forschung:

  • Vergleich von Besucherströmen über Zeiträume und Regionen hinweg
  • Verschneidung mit Biodiversitätsdaten zum besseren Verständnis der komplexen Mensch-Natur-Interaktion
  • Objektive Datengrundlage für Analysen und Berichte

Fazit

Mit dem Projekt „KI-Nationalpark“ wird sichtbar, was bislang weitgehend verborgen blieb: wie Menschen Schutzgebiete tatsächlich nutzen. Die Kombination aus anonymisierten Mobilitätsdaten, Small-Area-Methoden und mikrogeografischen Informationen schafft eine neue Grundlage für datenbasierte Entscheidungen in Naturschutz, Besucherlenkung und Infrastrukturplanung.

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Sie möchten mehr über die Möglichkeiten datenbasierter Besucheranalysen erfahren? Kontaktieren Sie uns unter consulting@infas360.de.